Montag, 17. Dezember 2012

Wann gibt es endlich gute Ärzte auf Rezept?



Es war einmal... dummerweise kommt jetzt kein Märchen. Aber es war einmal eine Woche Ende Mai, in der ich beschlossen habe meine Schmerzen im  Fuß nicht mehr zu ignorieren, sondern brav zum Arzt zu gehen. Schmerzen werden von mir meist nach dem Prinzip des Aussitzens behandelt, das ist effektiv, funktioniert in den meisten Fällen und spart Praxiskosten (gut, das zumindest zählt bald nicht mehr als Ausrede)

Leider funktioniert das System nicht immer....

Mein netter Hausarzt hat dann auch gleich zum Messer gegriffen, er war sich wohl darüber im Klaren, dass ich so schnell nicht wieder komme, wenn er keine Sofortmaßnahmen ergreift. Zwei kleine Minikieselchen wurden kurzerhand entfernt, aber sicherheitshalber hat er mich gleich mal zum Orthopäden überwiesen, mit dem Verdacht auf Fersensporn (deutlich auf dem Überweisungsschein stehend! - dies nur mal als Anmerkung vorab)

Als braver Patient, bin ich selbstverständlich seinem Rat gefolgt und habe mich beim Orthopäden vor Ort angemeldet. Blöd, dass es ausgerechnet der Arzt war, dem einige Bekannte schon völlige Unfähigkeit bescheinigt hatten. Aber er war nun mal 20m weiter erreichbar, direkt über meinem Lieblingscafè. Es lebe die Bequemlichkeit!

In der Praxis angekommen, durfte ich (trotz Termin) erst einmal warten (siehe auch: Neulich im Wartezimmer...
Dann hatte ich ein Date mit einer jungen Ärztin, die durch bloßes Hinschauen ihre Diagnose stellen konnte. "...wo tut es denn weh?" Mit Finger auf Fuß zeig... "da". 

Eigentlich bewundernswert, aber dafür hat sie ja wahrscheinlich auch jahrelang studiert. Siegessicher wurde mir verkündet: " Das ist kein Fersensporn, sondern einfach nur eine Entzündung". Bravo. Ohne genaue Untersuchung, ohne Berührung, das nenn ich medizinisches Können.

Mir wurden Schmerztabletten verschrieben (die stehen heute wahrscheinlich schon automatisch auf den Rezepten, per Vordruck) und Fersengummis. Diese sollte ich im Sanitätshaus bekommen, die Adresse gab es auch gleich gratis dazu.

Also auf zum Sanitätshaus. Hier musste ich lediglich meine Schuhgröße angeben, alles weitere erkläre sich von selber, solange ich nicht rechts und links verwechsle. Trotz Rezept sollte ich fast 20.- € dazuzahlen, was ich schon etwas irritierend fand, aber "das sei halt so" wurde mir gesagt. Immer wieder schön wenn man fachkundig beraten wird.

Seltsamerweise kam, nach Eingabe des Barcodes von der Originalpackung, in der Apotheke meines Vertrauens, ein Betrag heraus, der noch unter dem der Zuzahlung lag. Dort bestellt hätte ich also ohne Rezept weniger bezahlt, als im Sanitätshaus mit Rezept. 

Verwunderte Nachfragen meiner Krankenkasse, der ich nach kurzer Überlegung den Vorfall mitgeteilt habe, haben folgendes ergeben: das Produkt welches ich erworben habe, sei von der Qualität her schon etwas Besonderes und das sei mir sicherlich vom fachkundigen Personal mitgeteilt und ausführlich erklärt worden.

Abgesehen davon, dass es selbst die normale Schuhverkäuferin beim Deichmann schafft, mich nach meiner Schuhgröße zu fragen, finde ich schon erstaunlich, das ein eingegebener Barcode auf einmal Produkte unterschiedlicher Qualität anzeigen soll. Bisher dachte ich immer, es gäbe pro Produkt nur einen Barcode auf der Originalpackung, aber da habe ich sicher die andere Auswahl übersehen, ich bin ja schließlich kurzsichtig.

Egal, besagte Fersengummis haben leider trotz besonderer Qualität, keinerlei Einfluss auf meine schmerzende Ferse gehabt und somit bin ich dann nach weiteren zwei Monaten Humpelei wieder zum Orthopäden. Diesmal habe ich den Namensgeber der Praxis vor mir sitzen gehabt, welcher wohl ebenfalls dieselbe hervorragende Ausbildung seiner Praxiskollegin genossen hat. Vielleicht war es ja sogar die selbe Uni.

Auch der Herr Doktor konnte von seiner Schreibtischseite aus, präzise und ohne eigene Untersuchung diagnostizieren, dass ich immer noch mit derselben Entzündung zu kämpfen hätte. Sowas dauert halt. Tage. Wochen. Monate. Ach, der dritte Monat jetzt schon? Doch schon so lange? Ja, dann machen wir doch mal Alkoholwickel, das hilft immer. Immerhin, Alkohol auf Rezept, mal was Anderes.

Nicht, dass es geholfen hätte. In meiner Wohnung hat es gerochen wie in einer Destille, mehr Wirkung hatte diese neue Schmerzbekämpfung leider nicht.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, das ich mich jobmässig verändert habe. Meine Firma, hauptsächlich in Person unseren Juniorchefs, hat mir auf meine Bitte hin, die Chance gegeben mich innerhalb des Verlages zu verändern. Von einem Job, der mir nie wirklich gelegen und selten Spaß gemacht hat, habe ich nun wechseln können zu einer Tätigkeit, die voll und ganz meinen Fähigkeiten und Vorlieben entspricht, ich kann endlich zeigen worin ich gut bin, kann mich einbringen und das Ganze macht auch noch wahnsinnig Spaß, fördert meine Kreativität und ich darf mal wieder mitdenken und das befriedigt mich sehr. 

Was aber auch unter anderem bedeutet, dass ich nicht mehr acht Stunden am Tag am Schreibtisch vor dem PC sitze, sondern eigentlich ständig auf den Beinen bin. In meinem Fall bedeutet dies leider auch ständig auf den Füßen, was zur Folge hatte, dass ich meist humpelnd durch den Verlag geschlichen bin. Das und die Tatsache, dass sich meine Cousine für eine ausgiebige München-Tour-Woche angemeldet hat, hat mich letztendlich die Geduld verlieren lassen.

Also wieder hin, zum Hausarzt meines Vertrauens, der sich meine (leicht) aggressiv gefärbte Beschreibung der letzten Wochen anhören durfte, mit der (nicht ganz sachlichen) Einschätzung der Fähigkeiten seiner Kollegen. Heraus kam eine Überweisung zum Chirurgen. Da es ja kein Fersensporn sein sollte, könnte ja doch noch ein Fremdkörper in der Wunde sein.

Zum Chirurgen bin ich dann mit den Worten rein: "Bitte nehmen Sie sofort ein Messer zur Hand und erlösen mich von meinen Qualen". Der war dann natürlich leicht irritiert und äußerte erst einmal den Wunsch mich untersuchen zu dürfen. Das war ich nicht gewohnt. 

Zur Untersuchung kam dann auch die Überweisung für die Radiologie dazu, eine Etage tiefer. Ohne Röntgenaufnahme könne man sowas nicht diagnostizieren. Kann man schon, andere Ärzte hatten von dieser medizinischen Errungenschaft immerhin nie gehört.

Der Arzt in der Radiologie war dann erstaunt, dass ich wegen einem Verdacht auf Fremdkörper zu ihm geschickt wurde. Ob denn keiner auf die Idee gekommen wäre, dass ich einen Fersensporn hätte.



Ja, was soll ich sagen. Die Idee hatte man ja, aber zwei wahnsinnig kompetente Ärzte, die langjährig in Moosach praktizierten, fanden eine Entzündung halt... Hübscher. Unkomplizierter. Billiger. Einfacher abzurechnen? 

Wutschnaubend bin ich dann zurück, zum Chirurgen, der mir kurzerhand Einlagen verschrieben hat, was seiner Meinung nach schon vor Wochen hätte passieren sollen. Er konnte zum Glück verstehen, dass ich nicht mehr zu meinem Orthopäden zurück wollte und hat mir das Rezept dann selber ausgestellt. Nachdem mein neuer Körperkumpel aber mittlerweile eine stattliche Größe von 4mm erreicht hatte in meinem Inneren, wurde ich gleich darauf vorbereitet, dass es sich durchaus noch um einen längeren Zeitraum handeln wird, in dem wir Spaß miteinander haben.

Mehr noch, es ist quasi der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Behandelt wird die Auswirkung des Fersensporns auf meinen Fuß, weggehen wird er wohl nicht mehr. Es gibt zwar Behandlungsmethoden, die ihn verringern, vielleicht auch beseitigen würden. Stoßwellen, Operation, aber niemand kann einem garantieren, dass das Problem dadurch gänzlich verschwindet, bzw. dass man nicht nach der OP andere Probleme hat, durch die Operationsnarbe direkt unter dem Fuß. Von den Kosten (Stoßwellen) die man selbstverständlich selber zahlen müßte, was definitiv nicht meine Budgethöhe betrifft, erst gar nicht zu reden. Auch die Beschreibung der Botoxspritzen, inkl. Kosten hat sich nicht nach rettendem Rezept angehört, zumal das meiste davon nur auf etwaige momentane Schmerzen eingeht, der Fersensporn bleibt ja.

Einlagen sind übrigens wirklich zu empfehlen. Man hat die ersten Wochen so starke Schmerzen beim Laufen, dass man den eigentlichen Schmerz und Grund dafür völlig vergisst. Auch eine Art der Behandlung. Zumal man jetzt nicht mehr einseitig belastet wird, denn mit Einlagen tun beide Füße gleich weh, so kann man das Jammern auf zwei verteilen. Absolut empfehlenswert!

Bevor dies eine endlose Geschichte wird, sei nur noch hinzugefügt, dass es seit Oktober einen neuen Orthopäden in Moosach gibt. Der hat mich dann tatsächlich von oben bis unten untersucht, hat mich laufen, stehen, sitzen lassen und das Ultraschallgerät angeschmissen (Glückwunsch, es ist ein Fersensporn!)

Seitdem habe ich Termine in der Physiotherapie, mache brav meine Übungen zuhause und trage die Einlagen und wenn es dann mal wieder heftiger wird, habe ich jetzt immer eine Flasche Retterspitz im Haus, das wirkt über Nacht recht gut. 

Solange ich keine Härteübungen absolviere, wie letztlich die Hochzeit meiner Freundin, komme ich relativ gut über den Tag, die Schmerzen werden weniger, das Laufen langsam besser. Aber es ist halt ein langwieriger Prozess und es wird mir sicher noch lange erhalten bleiben.

Sollte mich also jemand auserwählt haben, das neue Mitglied in seiner Wandergruppe zu werden - Danke, nein.

Braucht ihr jemanden, der sich stundenlang in Stehkneipen mit euch rumtreibt? - Danke, nein. Frau hat demnächst ein Abo auf alle Sitzplätze dieser Welt (ich komme jetzt sowieso bald in ein Alter, wo mir die freiwillig angeboten werden)

Jemand da, der noch einen Jogging-Partner sucht? Gerne, aber nur zum Aqua-Jogging.

Dafür dürft ihr schon mal die Kameraobjektive für den nächsten Sommer putzen. Dicke Weichgummi-Einlagen sehen in Flip-Flops und Riemchensandalen sicher ganz entzückend aus.

Stop! Etwas positives hat das Ganze doch. Mein Geldbeutel freut sich. Ausgiebige Shopping-Touren machen meine Füße auch nicht mehr mit. Hurra.

Egal, ich kann wieder auftreten und laufen ohne zu humpeln. Der Rest wird sich zeigen.
Alles wird gut...




Freitag, 20. Juli 2012

Ist Erziehung doch Glückssache?


Heute Morgen habe ich im Bus zwei Damen belauscht, die sich über das Thema Erziehung ausgelassen haben, bzw. über das Fehlen derselben bei den meisten Kindern.



Das Gespräch noch im Kopf, habe ich mich dann eine Stunde im Wartezimmer meines Orthopäden aufhalten dürfen, an sich schon keine meine Lieblingsbeschäftigungen. Aber irgendwann möchte ich mal wieder länger als eine Viertelstunde schmerzfrei laufen, also muss ich da durch.

Nun denn, mir gegenüber saß eine Dame in meinem Alter, die fröhlich ihre angehende oder vielleicht auch fortschreitende Erkältung gepflegt hat. Aus tiefsten Herzen und voller Inbrunst wurde da die Nase hochgezogen, bis dahin war mir gar nicht bewusst in wie vielen Tönen und Nuancen man so etwas zelebrieren kann. Kurze und lange Zieher, helle und dunkle Töne, alles vorhanden. Einige wurden eher leicht in den Raum geworfen, andere hatten den Anschein, als wenn die gute Frau lange dafür geprobt hätte. Wer weiß, mit ein wenig Anleitung und Rhythmus wäre noch ein Lied daraus geworden.

Der Herr neben ihr hatte seine eigenen Probleme. Wann immer er auch schwer verdauliche Nahrung  zu sich genommen hat, zum Entsetzen aller meldet sich diese genau jetzt zurück. Erstaunlicherweise harmonierte sein Aufstoßen hervorragend mit den Nasenhochziehern seiner Nachbarin. Vielleicht doch ein einstudiertes Duett? 

Unnötig zu erwähnen, dass bei einer so umfangreichen Darbietung keine Zeit blieb, den neu eintretenden Leuten einen Gruß zu gönnen. Nicht dass hinterher noch der Einsatz verpasst wird...

Wir sprechen hier übrigens genau über jene Altersgruppe, welche die beiden Damen im Bus als Beispiel erwähnt haben, nach dem Motto " Das hätte es zu unserer Zeit nicht gegeben". Scheint alles relativ zu sein.

Ich gebe ihnen aber trotzdem Recht, was die Erziehung von Kindern angeht, wie man es heute oft mitbekommt. Da schreit ein Kind die halbe U-Bahn zusammen und tritt der Mutter gegen das Schienbein, nachdem sie höflich darum gebeten hat mit dem Schreien aufzuhören.
Mama wird dann richtig böse und spricht ein Machtwort. Was sich in der heutigen Zeit ungefähr so anhört: „Jaqueline-Chantal, das war jetzt nicht nett von dir, du darfst der Mama nicht wehtun, das macht sie ganz unglücklich und da müssen wir Zuhause dringend drüber reden." 

Die noch lautere und gemeinere Reaktion des kleinen Teufels kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen. Mag sein, dass ich als kinderloses Wesen die heutige Pädagogik nicht verstehe oder die neuen Erziehungsmethoden. Aber leider ertappe ich mich tatsächlich auch dabei zu denken: „Das hätte es bei meinen Eltern nicht gegeben“ (ein Satz, den ich mir geschworen hatte nie auszusprechen) 

Jetzt mal im Ernst. Ich kannte meine Grenzen als Kind ( auch wenn meine Mutter hier wahrscheinlich widersprechen wird), aber wenn ich sie tatsächlich einmal überschritten habe, dann gab es halt mal einen drauf, als Gedächtnisstütze. Wie sagt man so schön: „Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen….“

Hat es mir geschadet? Da ich weder manisch-depressiv, noch eine Serienmörderin geworden bin, keine Tiere quäle oder sonstige Lebewesen, würde ich einfach mal behaupten: nein.

Aber wie gesagt, vielleicht verstehe ich es ja auch nicht, wie das heute so läuft. Diese Bildungslücke teile ich dann allerdings mit ungefähr Zweidrittel der anderen kinderlosen U-Bahngäste, welche auch nur noch den Kopf geschüttelt haben. 

Ganz allgemein betrachtet bin ich auch der Meinung, dass einige der Werte verlorengegangen sind, die man mir noch beigebracht hat. Höfliche Begrüßungen, herzliche Verabschiedungen, "Bitte" und "Danke", scheinen immer mehr vom Aussterben bedroht zu sein. Ich weiß nur nicht, ob dies allein Erziehungssache ist, oder eher ein gesellschaftliches Problem, in einer Zeit, die einfach nicht mehr so viel Wert auf Respekt und Gefühle legt. 

Lustig fand ich den Herrn mittleren Alters vor zwei Tagen beim Aldi, den ich an der Kasse vorgelassen habe, da er nur vier Teile im Korb hatte. Nachdem er sich immer wieder zu mir umgedreht hat, kam dann irgendwann der Kommentar: " Wissen sie, das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Damit habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet. Meist holen die Leute die Ellbogen heraus und verteidigen ihren Platz in der Schlange". 

Lustig als Situation, ich habe wirklich herzhaft gelacht, aber eigentlich traurig als Beobachtung an sich.

Alles in allem, würde ich abschließend sagen, dass Erziehung wahrscheinlich doch Glücksache ist, oder wie seht Ihr das?




Donnerstag, 17. Mai 2012

Höflichkeit versus Ehrlichkeit?

„In der heutigen Gesellschaft wird Höflichkeit leider oft höher bewertet als Ehrlichkeit. Im Zweifel würde ich mich aber trotzdem für die Ehrlichkeit entscheiden.“

Eine Facebook-Statusmeldung, die mich immer noch nachdenklich macht… es wäre traurig, wenn es wirklich so bleiben würde.

Ich habe damals spontan geantwortet, dass ich von den Menschen, die mir wichtig sind immer Ehrlichkeit erwarten würde. Was bringt mir denn reine Höflichkeit?

Ich möchte schon wissen, wie man zu mir steht und würde erwarten, dass man es mir sagt, wenn ich mich falsch verhalte. Nur so kann ich doch entscheiden, ob ich wirklich auf dem richtigen Weg bin oder ob da gerade tatsächlich etwas verkehrt läuft bei mir. Ob ich die Bemerkung dann ernst nehme oder nicht, oder ob ich eventuelle Kritik annehme, bleibt mir immer noch selber überlassen. Aber ich würde es gerne wissen wollen.

Das fängt ja schon mit kleinen Dingen an, z.B. was ziehe ich an? Kleidung kaufen ist oft stimmungsabhängig und ich könnte mich nicht davon freisprechen, dass ich, wenn ich wirklich mal nach Herzenslust einkaufen gehen könnte, nicht zu einigen Teilen greife würde, die einfach nur meiner übermütigen Kaufstimmung entsprechen.

Spricht auch nichts gegen, für mich ist Mode sowieso etwas, was mir gefallen muss, egal ob es nun im Trend liegt oder nicht. Sollte ich aber mal total daneben gegriffen haben, würde ich es wissen wollen. Scheint aber nicht allen so zu gehen.

Der eine oder andere entsetzte Blick hat mich schon getroffen, wenn ich zu jemandem gesagt habe, dass das was er/sie gerade an hat, nicht wirklich gut passt. 

Aber ich sage ja auch wenn mir etwas gefällt. Warum dann nicht auch umgekehrt? Selbst damit eckt man sogar an. Man bekommt dann so Sätze zu hören wie: „Boah, willst du dich einschleimen?“ oder „Hör sie dir an, die tönt heute wieder rum“. Warum nicht? Ich sehe etwas und sage meine Meinung dazu, nicht mehr und nicht weniger. Ich freue mich auch, wenn man mir sagt: „Die Bluse steht dir… oder ähnliches“. Aber eben nur, wenn es ehrlich gemeint ist und keine höfliche Floskel.

Natürlich kenne ich auch Situationen, wo man ins Überlegen kommt. Kann ich zum Beispiel Arbeitskollegen sagen, dass sie entsetzlich nach Schweiß riechen? Steht mir das zu? Weil man hier einen Intimbereich betritt, der eigentlich eher von Freunden abgedeckt werden sollte oder der Familie. Man weiß ja nicht, ob nicht vielleicht eine Krankheit dahinter steckt. Nur, was wenn jeder so denkt? Was wenn er/sie es wirklich nicht weiß oder selber merkt? Würde ich so was nicht wissen wollen?

Da stößt man schon an eine kleine Grenze und zieht sich höflich zurück (oder eher unsicher) man möchte ja auch niemanden verletzen. 

Führungspositionen sind auch eine heikle Sache. Kann ich meinem Chef sagen, dass er sich etwas ausdenkt, was sich gar nicht auf diesem Wege realisieren lässt? Anweisungen, die in der Praxis schwer umsetzbar sind?

Da sollte man schon vorher einschätzen, wie das ankommt. So was macht man ja auch nicht in der Probezeit, sondern erst wenn man sich etwas besser kennt. 

Ich hatte bisher Glück und habe immer Vorgesetzte gehabt, denen man schon seine eigenen Ideen und Einschätzungen mitteilen konnte. Ob es dann angenommen wird, ist auch hier wieder ein anderes Thema, aber ich würde es zumindest aussprechen. Auch ein Chef oder eine Chefin kann nicht an alles denken, oder übersieht schon mal den einen oder anderen Vor- oder Nachteil, im Gegensatz zu Leuten, die tagtäglich damit arbeiten. Ich würde in so einer Position gerade darauf hoffen, dass man mir ins Gesicht sagt, was man von den neuen Ideen oder Aufgaben hält, vielleicht kommt ja so etwas noch Besseres heraus.

Ich habe zum Beispiel auch ein Ärztepaar als Hausarzt, welchem ich blind vertraue. Ich bin mir bei den beiden Brüdern 100 % sicher, dass sie mir sagen, was ich habe, auch wenn es vielleicht unangenehm ist. 

Nachdem ich nun seit dem Herbst in trauter Zweisamkeit mit meinem Schweinhund spazieren gegangen bin, anstatt ihm selber Beine zu machen, ging das nach meinem Arztbesuch im Frühjahr ganz fix. Da wurde nämlich ein zu hoher Blutdruck festgestellt und nachdem ich mich immer gegen regelmäßige Einnahmen von was auch immer wehre, bekam ich gleich zu hören, dass Abnehmen auch helfen würde und zwar schleunigst. Er hätte es auch höflicher verpacken können. Aber hätte es geholfen? Ich bin nach Hause und habe seit diesem Tag, meine Süßigkeiten auf ein Minimum reduziert. 

Das ging auch auf einmal. Ich musste nur an das Gespräch denken. Ich habe jetzt keine Süßigkeiten mehr im Haus und im Büro ignoriere ich auch tapfer sämtliche Sammelstellen. Ab und an sündige ich schon, aber ganz bewusst und es schmeckt dann dreimal so gut wie früher. 

6 Zentimeter weniger rundherum und die ersten 8 Kilo haben meinen Lieblingsköter ganz schön zerknirscht gucken lassen. Herr Schweinehund läuft nur noch sporadisch mit eingekniffenem Schwanz durch meine Wohnung, jawohl. Das macht sogar Spaß, nachdem der erste Erfolg zu sehen ist!

Nachdem ich von meinem Arztbesuch erzählt habe, haben die meisten gesagt: „Wie unverschämt, da würde ich den Arzt wechseln, wenn der so mit mir redet!“. 

Ich bin immer noch froh, dass er es getan hat und fühle mich viel wohler.

Ach, es gibt so viele Situationen, wo ich mir mehr Ehrlichkeit wünschen würde. 

Es spricht ja nichts gegen Höflichkeit, ich mag höfliche Leute. Ich genieße es, wenn mir jemand den Stuhl zurechtrückt oder mir die Türe öffnet (ja, manchmal bin ich gerne altmodisch) Ich bevorzuge Menschen, die noch „Bitte“ und „Danke“ oder beim Hereinkommen „Guten Tag“ sagen können. 

Ich rechne es Leuten hoch an, wenn sie die Stärke besitzen sich entschuldigen zu können.
Man muss ja nicht gleich alle Werte vergessen oder gar keine Achtung vor einander haben. Aber Ehrlichkeit ist für mich immer noch das Wichtigste und zumindest von meiner unmittelbaren Umgebung erwarte ich sie. 

Wen ich nicht mag, oder wer mir völlig egal ist, der darf auch gerne höflich zu mir sein, weil das sowieso an einem Ohr rein und am anderen wieder raus geht. Da bin ich jetzt auch ehrlich. Ich beschäftige mich nur noch mit Menschen, die mir wichtig sind oder die ich respektieren kann, der Rest kann gerne machen was er will. Zu dieser Erkenntnis kommt wahrscheinlich jeder in seinem Leben, der eine früher, der andere später, ich glaube ich liege  gut im Mittelfeld.

Und überhaupt: Höflichkeit kann auch mal ins Auge gehen ohne es zu wollen. Das würde ich zumindest gerne dem jungen Mädchen mitteilen, welches mir letzte Woche im Bus ihren Platz angeboten hat, mit den freundlichen Worten: „Setzen sie sich doch in ihrem Zustand“ *ggrrrr* 

Ja, ich weiß, selbst schuld. Aber ich ziehe nun mal gerne diese leichten Hängerchen an, wenn es warm ist. Mag sein, dass die etwas umstandsmässig aussehen, aber sie sind eben auch bequem. Ja, ich weiß auch, dass das ein nettes Mädchen war, weil sie mir Platz gemacht hat. Ja, ja, ja….. ich mag sie trotzdem nicht *lach*

So, und nun schließe ich mit einem weiteren Facebook-Fundstück:




So isses. Punkt. 



Höflichkeit versus Ehrlichkeit?
Was würdet ihr bevorzugen?